Farbatlas / KunststoffspritzgussReferenz ist mehr als ein Farbwert
Farbfreigabe-Leitfaden

Farbe entsteht zwischen sechs Bedingungen.

Direktantwort

Eine reproduzierbare Farbe für Spritzgussteile braucht eine physische Referenz, die konkrete Polymer- und Masterbatch-Kombination, definierte Oberfläche, festgelegtes Prüflicht, eine Messmethode und einen geregelten Chargenentscheid.

physische Referenz
A / ZustandMaterial, Oberfläche, Alter und Aufbewahrung des Masters.
B / RezepturGrundpolymer, Farbe, Additive und konkrete Type.
C / StrukturGlanz, Narbung, Wandstärke und Bauteilgeometrie.
D / LichtDefinierte Lichtart, Blickwinkel und Umgebung.
E / MessungMessgeometrie, Stelle, Gerät und Auswertung.
F / FreigabeCharge, Grenzmuster, Abweichung und Änderung.
B

Rezeptur und Oberfläche färben gemeinsam.

Masterbatch dosiert Pigmente oder Farbstoffe in ein Grundpolymer. Doch Träger, Additive, Verstärkung, Wandstärke und Oberflächenstruktur verändern, wie Licht im Teil absorbiert, gestreut und reflektiert wird.

Violette Masterbatch-Pellets, Naturgranulat und fünf Spritzguss-Farbplättchen mit verschiedenen Oberflächen
MaterialkarteGleicher Farbeindruck ist nicht automatisch gleiche Rezeptur. Glanz und feine Struktur verändern die visuelle Helligkeit bereits bei identischem Materialsystem.
Material

Konkrete Type

Polymer, Verstärkung, Additive und Rezyklatanteil nicht nur als Familie benennen.

Farbe

Definierte Dosierung

Masterbatch-Type, Dosierweg und zulässige Rezepturänderung dokumentieren.

Oberfläche

Seriennahe Struktur

Master und Produktionsteil auf vergleichbarer Textur und Wandstärke beurteilen.

D

Eine Farbe kann unter anderem Licht anders urteilen.

Zwei Proben können unter einer Lichtart ähnlich und unter einer anderen sichtbar verschieden wirken. Darum braucht die visuelle Freigabe definierte Lichtarten, neutrale Umgebung, Betrachtungswinkel und eine Regel für auffällige Metamerie.

Drei violette Spritzgussgehäuse aus unterschiedlichen Chargen in einer neutralen Farbabmusterungskabine
LichtknotenIdentische Geometrie und neutraler Hintergrund helfen, Chargenunterschiede von Reflexen, Schatten und wechselnder Umgebung zu trennen.
Lichtart

Vorher festlegen

Die Lichtbedingungen müssen zur Nutzung und zum Freigabeprozess passen.

Umgebung

Neutral halten

Farbige Wände, Kleidung und Fremdlicht können den Eindruck beeinflussen.

Urteil

Vergleichbar machen

Abstand, Blickrichtung, Dauer und Rollen der Freigebenden dokumentieren.

E

Messwert und Muster beantworten verschiedene Fragen.

Instrumentelle Farbmessung schafft reproduzierbare Daten, ersetzt aber nicht automatisch die visuelle Funktionsbeurteilung. Messstelle, Oberfläche, Geometrie und Geräteeinstellung müssen zur Aufgabe passen.

Farbmessung einer violetten Spritzgussprobe neben einer Masterreferenz am Spektralfotometer
MessknotenMaster und Chargenprobe werden an festgelegter Stelle, in definiertem Zustand und mit derselben Methode verglichen.
1

Master festlegen

Physisches Teil oder Plättchen samt Material, Textur und Aufbewahrung.

2

Prüfbedingungen

Lichtarten, Messgeometrie, Messstellen und Konditionierung.

3

Grenze vereinbaren

Visuelles Grenzmuster und Messbereich mit Konfliktregel.

4

Charge zuordnen

Materialcharge, Farbmittel, Prozess- und Werkzeugstand rückverfolgbar halten.

5

Änderung lenken

Neue Type, Rezeptur, Oberfläche oder Werkzeugstelle erneut bewerten.